Ihren Durchschnittskurs erhalten Sie, wenn Sie alles, was Sie für eine Aktie bezahlt haben, durch Ihre Stückzahl teilen. Über diesem Kurs ist die Position im Plus, noch ohne Verkaufskosten.
Der Rechner übernimmt die Division. Die Summe aller Käufe bilden Sie selbst, samt Gebühren. Und für die Steuer zählt ein anderer Kurs als der Durchschnitt.
Was gehört in den investierten Gesamtbetrag?
Rechnen Sie für jeden Kauf Kurs mal Stückzahl und addieren Sie die Gebühren der Order. Gebühren sind Nebenkosten, und die zählen laut § 255 HGB zu den Anschaffungskosten.
Ihre Bank muss Ihnen laut BaFin alle Kosten und Nebenkosten eines Kaufs auf einem dauerhaften Datenträger mitteilen. Suchen Sie die Beträge auf Ihren Wertpapierabrechnungen. Zwei Fälle brauchen einen zweiten Blick:
- Teilausführungen. Wird eine Order in Teilen ausgeführt, entscheidet Ihr Institut, ob es für jede Ausführung Gebühren berechnet. Zählen Sie dann alle Gebühren mit.
- Aktiensplit. Der investierte Betrag bleibt gleich, nur die Stückzahl steigt. Tragen Sie die neue Stückzahl ein; der Aktiensplit-Rechner rechnet sie für Sie um.
Nachkaufen: So weit sinkt der Schnitt wirklich
Angenommen, Sie kaufen 40 Stück zu 50 €. Der Kurs fällt, und Sie kaufen zweimal nach: erst 40 Stück zu 40 €, dann 80 Stück zu 30 €.
| Stand | Investiert | Stück | Durchschnittskurs |
|---|---|---|---|
| Nach Kauf 1: 40 Stück zu 50 € | 2.000 € | 40 | 50,00 € |
| Nach Kauf 2: plus 40 Stück zu 40 € | 3.600 € | 80 | 45,00 € |
| Nach Kauf 3: plus 80 Stück zu 30 € | 6.000 € | 160 | 37,50 € |
| Wie Kauf 3, mit 5 € Gebühr je Order | 6.015 € | 160 | 37,59 € |
Der einfache Mittelwert der drei Kurse wäre 40 €. Richtig ist der gewichtete Schnitt von 37,50 €, denn der billigste Kauf brachte die meisten Stücke. Drei Gebühren von je 5 € heben ihn nur um 9 Cent. Rechnen Sie 5 € für den Verkauf dazu, liegt Ihre Gewinnschwelle bei 6.020 € ÷ 160 ≈ 37,63 €.
Zugleich stecken jetzt 6.000 € in der Aktie statt 2.000 €. Vom letzten Kurs aus muss sie um 25% steigen, damit Sie wieder bei null sind. Ob sich Nachkaufen lohnt, hängt davon ab, warum der Kurs gefallen ist. Das kann keine Rechnung beantworten.
Das Finanzamt rechnet nicht mit dem Durchschnitt
Für die Abgeltungsteuer ist Ihr Durchschnittskurs nicht maßgeblich. Bei sammelverwahrten Wertpapieren gilt nach § 20 Abs. 4 EStG: Die zuerst gekauften Stücke gelten als zuerst verkauft. Das nennt man FIFO, kurz für „first in, first out“.
Verkaufen Sie aus dem Beispiel 40 Stück zu 45 €, kommen zwei verschiedene Ergebnisse heraus:
| Rechnung | Kaufkurs | Verkaufskurs | Gewinn / Verlust |
|---|---|---|---|
| Gegen den Durchschnittskurs | 37,50 € | 45,00 € | 300,00 € |
| Nach FIFO: die ersten 40 Stück | 50,00 € | 45,00 € | −200,00 € |
Gegen den Schnitt wären es 300 € Gewinn, steuerlich ist es ein Verlust von 200 €. Verluste aus Aktienverkäufen lassen sich nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnen, nicht mit Zinsen oder Dividenden.
Die übrigen 120 Stück haben steuerlich 4.000 € gekostet: 40 zu 40 € und 80 zu 30 €. Über alle Verkäufe hinweg versteuern Sie am Ende denselben Gewinn. FIFO verschiebt nur, in welchem Jahr er anfällt. Den Gewinn eines einzelnen Verkaufs zeigt Ihnen der Aktien-Rechner.
Was vom Kursgewinn nach Steuern bleibt
Steuerpflichtig ist nach § 20 Abs. 4 EStG der Verkaufserlös, abzüglich Verkaufskosten und Anschaffungskosten. Von allen Kapitalerträgen eines Jahres wird zuerst der Sparer-Pauschbetrag abgezogen: 1.000 €, bei zusammen veranlagten Ehegatten 2.000 €.
Auf den Rest fallen 25% Abgeltungsteuer an, dazu 5,5% Solidaritätszuschlag auf diese Steuer. Zusammen sind das 26,375%, plus Kirchensteuer, falls Sie kirchensteuerpflichtig sind.
Ein Beispiel ohne andere Kapitalerträge: Von 1.400 € Kursgewinn bleiben nach dem Pauschbetrag 400 € steuerpflichtig. Die Steuer darauf beträgt 105,50 €, ohne Kirchensteuer.
Sparplan: Warum Ihr Schnitt unter dem Mittel der Kurse liegt
Mit einem Sparplan investieren Sie jeden Monat denselben Betrag. Bei tiefem Kurs erhalten Sie mehr Stücke, bei hohem weniger. Fünf Raten zu 100 € bei Kursen von 25, 20, 10, 20 und 25 € ergeben 28 Stück:
| Kaufweise | Investiert | Stück | Durchschnittskurs |
|---|---|---|---|
| Fester Betrag: 100 € im Monat | 500 € | 28 | 17,86 € |
| Feste Stückzahl: 4 Stück im Monat | 400 € | 20 | 20,00 € |
Der Mittelwert der fünf Kurse liegt bei 20 €, Ihr Schnitt bei 17,86 €. Das ist der Durchschnittskosteneffekt, und er ist reine Arithmetik. Ob ein Sparplan mehr bringt als eine Einmalanlage, sagt er nicht.
Quellen
- Finanzverwaltung NRW, Abgeltungsteuer: Steuersatz, Solidaritätszuschlag, Sparer-Pauschbetrag
- Finanzverwaltung NRW, Verluste aus Kapitalvermögen
- Einkommensteuergesetz, § 20 (Gesetzestext bei lxgesetze.de, zuletzt geändert am 29. Juni 2026)
- Handelsgesetzbuch, § 255 (Gesetzestext bei lxgesetze.de, zuletzt geändert am 4. Februar 2026)
- BaFin, Wertpapiergeschäfte: Kosten und Teilausführungen