Der Unternehmenswert (englisch Enterprise Value, kurz EV) ist die Marktkapitalisierung plus die Finanzschulden minus die liquiden Mittel. Er zeigt, was das ganze Unternehmen wert ist, für Aktionäre und Kreditgeber zusammen.
Tragen Sie alle drei Beträge in derselben Einheit ein, etwa in Millionen Euro. Negative Eingaben bei Schulden oder Kasse wertet der Rechner als null. Das Ergebnis selbst kann aber negativ werden. Das Feld heißt „Gesamtschulden“, gemeint sind jedoch nur die Finanzschulden.
Unternehmenswert oder Marktkapitalisierung?
Die Marktkapitalisierung ist Aktienkurs mal Zahl der Aktien, also nur der Börsenwert des Eigenkapitals. Hat eine AG Stamm- und Vorzugsaktien, rechnen Sie beide Gattungen mit ihrem jeweiligen Kurs ein. Die Multiplikation übernimmt der Marktkapitalisierungs-Rechner.
Der Unternehmenswert rechnet die Nettofinanzverschuldung hinzu, also Finanzschulden minus liquide Mittel. Drei erfundene Unternehmen mit je 1.200 Mio. € Börsenwert zeigen, wie weit beide Größen auseinanderliegen können:
| Unternehmen (erfunden) | Marktkapitalisierung | Finanzschulden | Liquide Mittel | Unternehmenswert |
|---|---|---|---|---|
| A, hoch verschuldet | 1.200 Mio. € | 800 Mio. € | 100 Mio. € | 1.900 Mio. € |
| B, Schulden gleich Kasse | 1.200 Mio. € | 300 Mio. € | 300 Mio. € | 1.200 Mio. € |
| C, mehr Kasse als Schulden | 1.200 Mio. € | 0 Mio. € | 450 Mio. € | 750 Mio. € |
An der Börse sind alle drei gleich viel wert. Als Ganzes kostet A mit 1.900 Mio. € aber mehr als das Doppelte von C. Bei C ist die Nettofinanzverschuldung negativ: Die Kasse übersteigt die Schulden um 450 Mio. €. Diesen Saldo allein berechnet der Nettoverschuldungs-Rechner.
Welche Bilanzposten in die Felder gehören
In einer Bilanz nach § 266 HGB stehen die Finanzschulden im Abschnitt „Verbindlichkeiten“ der Passivseite. In das Feld „Gesamtschulden“ gehören vor allem die Posten „Anleihen“ und „Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten“. „Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen“ und „erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen“ lassen Sie weg. Sie entstehen im laufenden Geschäft, nicht durch Finanzierung.
Für das Feld „Barmittel & Äquivalente“ nehmen Sie den Posten „Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks“. Er steht im Umlaufvermögen auf der Aktivseite.
Kleine Kapitalgesellschaften müssen nur eine verkürzte Bilanz aufstellen (§ 266 Abs. 1 Satz 3 HGB). Sie enthält nur die Posten mit Buchstaben und römischen Zahlen. Nutzt eine Firma das, stehen die Verbindlichkeiten als eine einzige Summe da, ohne Trennung von Bankkrediten und Lieferantenschulden. Wer eine GmbH kaufen will, sollte sich die Aufteilung geben lassen.
IFRS 16: Leasing steckt in den Schulden und im EBITDA
In IFRS-Abschlüssen gilt seit dem 1. Januar 2019 der Leasingstandard IFRS 16. Leasingnehmer behandeln seitdem alle Leasingverhältnisse ähnlich wie Finanzierungsleasing. Für Verträge bis zwölf Monate und geringwertige Leasinggegenstände verlangt IFRS 16 keinen Ansatz in der Bilanz.
Die Folgenanalyse des IASB vom Januar 2016 nennt als wichtigste Wirkung mehr Leasingvermögen und mehr finanzielle Verbindlichkeiten. An die Stelle des linearen Leasingaufwands treten eine Abschreibung auf das Nutzungsrecht und ein Zinsaufwand. Beide stehen unterhalb des EBITDA. Laut IASB entspricht das EBITDA nach IFRS 16 deshalb dem früheren EBITDAR, dem Ergebnis auch vor Miete.
Vor IFRS 16 standen Operating-Leasingverhältnisse nicht in der Bilanz. Wer sie berücksichtigen wollte, musste schätzen. Laut IASB nutzten viele dafür Methoden wie die Multiplikation des jährlichen Leasingaufwands mit 8. Heute steht die Leasingverbindlichkeit in der Bilanz, und für EV/EBITDA gilt: Zähler und Nenner müssen zusammenpassen.
Eine erfundene Handelskette hat 1.500 Mio. € Börsenwert, 400 Mio. € Finanzschulden, 1.100 Mio. € Leasingverbindlichkeiten und 200 Mio. € Kasse. Ohne Leasing ergibt der Rechner 1.700 Mio. €, mit Leasing 2.800 Mio. €. Ihr EBITDA nach IFRS 16 beträgt 460 Mio. €, nach Abzug von 160 Mio. € Leasingaufwand bleiben 300 Mio. €:
| Kombination | Unternehmenswert | EBITDA | EV/EBITDA |
|---|---|---|---|
| Ohne Leasing, EBITDA nach Leasingaufwand | 1.700 Mio. € | 300 Mio. € | 5,67 |
| Mit Leasing, EBITDA nach IFRS 16 | 2.800 Mio. € | 460 Mio. € | 6,09 |
| Gemischt: ohne Leasing, EBITDA nach IFRS 16 | 1.700 Mio. € | 460 Mio. € | 3,70 |
| Gemischt: mit Leasing, EBITDA nach Leasingaufwand | 2.800 Mio. € | 300 Mio. € | 9,33 |
Stimmig gerechnet kommt die Kette auf 5,67 oder 6,09. Gemischt wirkt sie mit 3,70 billig oder mit 9,33 teuer. Vergleichen Sie deshalb nur Unternehmen, die Sie gleich behandelt haben. Vorsicht auch bei Zeitreihen: Ein EBITDA aus der Zeit vor IFRS 16 ist nach Abzug des Leasingaufwands gerechnet. Den Quotienten für eigene Zahlen liefert der EBITDA-Multiple-Rechner.
Pensionsrückstellungen: Schulden ohne Kreditvertrag
In der HGB-Bilanz stehen sie im Abschnitt „Rückstellungen“, der den Verbindlichkeiten vorausgeht. Der Posten heißt „Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen“. Der Rechner hat dafür kein eigenes Feld. Wenn Sie sie wie Finanzschulden behandeln, addieren Sie sie zu den Gesamtschulden. Tun Sie das dann bei jedem Unternehmen, das Sie vergleichen.
Ihre Höhe hängt am Zins. Nach § 253 Abs. 2 HGB werden sie mit dem zu ihrer Restlaufzeit passenden durchschnittlichen Marktzins der vergangenen zehn Geschäftsjahre abgezinst. Pauschal darf dabei der Zins für eine angenommene Restlaufzeit von 15 Jahren verwendet werden. Den Zinssatz ermittelt die Deutsche Bundesbank und gibt ihn monatlich bekannt.
Wie stark der Zins wirkt, zeigt eine einzelne Zahlung von 100.000 € in 15 Jahren. Mit 2,0% abgezinst ist sie heute 74.301 € wert, mit 1,5% dagegen 79.985 €. Ein halber Prozentpunkt weniger Zins hebt den Barwert also um 7,65%. Rechnen Sie Pensionen ein, bewegt der Zins auch den Unternehmenswert.
Fürs Finanzamt gilt eine andere Formel
Für die Erbschaft- und Schenkungsteuer wird Firmenvermögen anders bewertet. Das BMF beschreibt dafür das vereinfachte Ertragswertverfahren nach den §§ 199 bis 203 des Bewertungsgesetzes (BewG). Laut BMF ergibt sich der gemeine Wert dabei aus dem nachhaltig erzielbaren Jahresertrag mal einem Kapitalisierungsfaktor. Dieser beträgt nach § 203 Abs. 1 BewG 13,75 (Stand: September 2026). Aus 150.000 € Jahresertrag werden so 2.062.500 €.
Laut BMF reagierte das neue Recht mit dem festen Faktor auf Kritik an überhöhten Werten. Für Bewertungsstichtage im Jahr 2016 hatte er zuvor 17,8571 betragen. Dieser Rechner bildet das Verfahren nicht ab. Eine Schätzung über EBITDA und Multiplikator bietet der Unternehmensbewertungs-Rechner. Alle Beispiele sind erfunden und ersetzen keine Steuer- oder Anlageberatung.
Quellen
- IFRS Foundation (IASB), IFRS 16 Leases: Effects Analysis (Januar 2016)
- Handelsgesetzbuch, § 266 Gliederung der Bilanz (Gesetzestext bei JuraForum.de, abgerufen am 27. September 2026)
- Handelsgesetzbuch, § 253 Zugangs- und Folgebewertung (Gesetzestext bei JuraForum.de, abgerufen am 27. September 2026)
- Bundesministerium der Finanzen, Monatsbericht Januar 2017: Änderungen im Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht bei der Übertragung betrieblichen Vermögens
- Bewertungsgesetz, § 203 Kapitalisierungsfaktor (Gesetzestext bei lxgesetze.de, zuletzt geändert am 22. Juni 2026)