Was ein Käufer wirklich bezahlt
Die Marktkapitalisierung ist der Preis der Aktien. Wer das ganze Unternehmen übernimmt, übernimmt aber auch die Schulden — und bekommt die Kasse dazu. Der Unternehmenswert (Enterprise Value) bereinigt genau das und ist deshalb die Größe, auf die Übernahmepreise und Multiplikatoren wie EV/EBITDA aufsetzen.
Die Formel
Rechenbeispiel: 5.000 Mio. € Marktwert, 2.000 Mio. € Schulden, 500 Mio. € Kasse
- Nettoverschuldung: 2.000 − 500 = 1.500 Mio. €
- Unternehmenswert: 6.500 Mio. €
Wer 5 Milliarden für die Aktien zahlt, hat 6,5 Milliarden ausgegeben, sobald die Schulden bedient werden müssen. Der Kassenbestand mindert die Rechnung, weil er nach der Übernahme dem Käufer gehört.
Zwei Unternehmen, gleiche Marktkapitalisierung
| Marktkap. | Schulden | Kasse | Unternehmenswert | |
|---|---|---|---|---|
| Verschuldet | 5.000 | 2.000 | 500 | 6.500 |
| Schuldenfrei mit Kasse | 5.000 | 0 | 1.500 | 3.500 |
An der Börse sehen beide gleich groß aus. Als Übernahmeziel kostet das eine fast doppelt so viel wie das andere. Vergleiche über die Marktkapitalisierung allein sortieren deshalb häufig falsch — und das ist der eigentliche Grund für diese Kennzahl.
Wofür der Unternehmenswert gebraucht wird
EV/EBITDA ist der Standard-Multiplikator bei Übernahmen und beim Vergleich von Unternehmen mit unterschiedlicher Verschuldung: Der Zähler enthält die Schulden, der Nenner den Gewinn vor Zinsen, also passen beide zueinander. Das KGV tut das nicht, weil der Gewinn nach Zinsen bereits von der Kapitalstruktur abhängt. Im Beispiel entspricht ein EBITDA von 650 Mio. € einem EV/EBITDA von 10.
Was als Schuld zählt
Finanzschulden: Anleihen, Bankkredite, Leasingverbindlichkeiten nach IFRS 16. Nicht die Lieferantenverbindlichkeiten, die zum operativen Geschäft gehören. Pensionsrückstellungen und Minderheitsanteile werden in einer vollständigen Rechnung ebenfalls addiert — bei deutschen Industrieunternehmen mit alten Pensionszusagen kann das den Wert um Milliarden verschieben.
Was der Rechner nicht enthält
Pensionsverpflichtungen, Minderheitsanteile, Vorzugsaktien und die Frage, ob die Kasse wirklich frei verfügbar ist oder im Ausland festsitzt. Für eine erste Einordnung reichen die drei Eingaben; für einen Kaufpreis nicht.
Verwandte Rechner
- Marktkapitalisierung — der Ausgangspunkt der Rechnung
- EBITDA-Marge — der Nenner des Standard-Multiplikators
- Verschuldungsgrad — wie stark die Schulden den Wert bewegen